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Archiv 2015

 
19.11.2014

Stiftungsmodell: Von Anfang an in die Praxis eintauchen

Stiftungsteilnehmer mit Seniorin

Es ist Mittwochnachmittag, 14.00 Uhr. Im Haus für Senioren im Diakoniewerk Salzburg rattern die Speisewägen mit Kaffee und Kuchen durch die Gänge. „Frau Maier, ich bringe Ihnen Kaffee“, sagt Gani Shaqiri, Fach-Sozialbetreuer in Ausbildung, zu einer Bewohnerin. Mit fröhlichem Gesicht bringt er der betagten Dame die Nachmittagsjause ins Zimmer und scherzt ein wenig mit ihr, bevor er wieder geht. „Ich bin mit meinen Großeltern aufgewachsen und fühle mich wie zuhause, wenn ich bei alten Menschen bin“, erzählt der 39-Jährige. Eine Arbeit im Sozialbereich interessierte ihn schon lange, in seinem Heimatland Mazedonien hätte es aber keine entsprechende Ausbildung gegeben, erzählt Shaqiri. In Österreich habe er durch seine Frau von der Ausbildung an der Schule für Sozialbetreuungsberufe des Diakoniewerks erfahren und sich beworben, nachdem er seinen Job als Maler verloren hatte. „Beim zweiten Mal hat es dann geklappt, mein Deutsch war da schon besser“, meint Shaqiri, der insgesamt sieben Sprachen spricht.

Weniger finanzielle Sorgen für Studierende

Beim Aufnahmegespräch für die Schule habe er schließlich auch Sonja Zlöbl, die Leiterin der Diakonie-Implacementstiftung Salzburg, kennengelernt. „Ohne die Stiftung könnte ich die Ausbildung nicht machen“, ist sich Gani Shaqiri sicher. Und auch Sonja Zlöbl bestätigt den Vorteil für die StiftungsteilnehmerInnen: „ Es ist eine win-win-Situation für alle Beteiligten. Das AMS unterstützt mittels Schulungsarbeitslosengeld die Deckung des Lebensunterhaltes. Die Stiftung bezahlt das Schulgeld und ein monatliches Stipendium von 200 Euro. Dieses finanzieren jene Unternehmen, in denen die StiftungsteilnehmerInnen während der gesamten Ausbildungsdauer Praktikum machen.“ Auch wenn die finanzielle Unterstützung nur für das Notwendigste reicht, ist es für viele StiftungsteilnehmerInnen die einzige Möglichkeit, die Ausbildung zu absolvieren. „Viele unserer ‚Stiftlinge‘ waren häufig vorher wegen Betriebsschließungen und Einsparungen arbeitslos oder sind Wiedereinsteigerinnen nach der Karenz“, erzählt Sonja Zlöbl. Aber auch junge Menschen, die eine Ausbildung abgebrochen haben und sich erst beruflich orientieren mussten, nehmen die Stiftung in Anspruch.

Vom ersten Tag im Ausbildungsberuf arbeiten

Das Besondere an der Ausbildung durch die Stiftung ist die große Praxiserfahrung. Die StiftungsteilnehmerInnen sind ein oder zwei Tage pro Woche in der Schule, die restliche Arbeitswoche verbringen sie im Praktikumsunternehmen. „Ich arbeite die ganze Zeit, mache Praxis und bin sehr gut vorbereitet nach der Ausbildung“, bestätigt auch Gani Shaqiri einen weiteren Vorteil der Stiftung. Dieses praxisorientierte Angebot zeigt sich auch in den stets steigenden TeilnehmerInnenzahlen. Seit dem Start der Stiftung im Sommer 2011 haben 119 Personen das Angebot in Salzburg für ihre Ausbildung genutzt, österreichweit begleitete die Diakonie- Implacementstiftung derzeit 321 Menschen. Aktuell gibt es 106 StiftungsteilnehmerInnen alleine in Salzburg, davon begannen 38 im Herbst neu mit der Ausbildung. „Der Großteil der StiftungsteilnehmerInnen macht eine Ausbildung in Altenarbeit, rund 25 Personen in Behindertenbegleitung“, berichtet Frau Zlöbl. Es gibt aber auch die Möglichkeit, beide Fachausbildungen gemeinsam über die Stiftung zu absolvieren. „Die duale Ausbildung erhöht die Chancen am Arbeitsmarkt, weil man in viel mehr Bereichen arbeiten kann. Die ersten Abschlüsse der dualen Ausbildung werden wir nächstes Jahr überreichen“, freut sich Sonja Zlöbl.

Der Abschluss zum Fachsozialbetreuer in Altenarbeit ist auch für Gani Shaqiri schon in fast greifbarer Nähe. „Ein Semester habe ich noch“, erzählt er. Wie es dann weitergeht, weiß er noch nicht genau. „Ich hoffe, dass ich im Wohnbereich bleiben kann“, sagt er. Die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht für ihn, denn die Übernahmequoten im Bereich der Altenarbeit sind besonders hoch.

 

Kontakt und Information:
Diakonie-Implacementstiftung, Sonja Zlöbl
Reimsstraße 5a, 5020 Salzburg
Tel. 0664 54 40 471, E-Mail: implacement.sbg@diakoniewerk.at


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