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Archiv 2014

 
14.04.2014

Brustkrebsvorsorge im Rahmen der Aktion früh.erkennen

Brustkrebs ist bei Frauen der häufigste bösartige Tumor. In Österreich sind jährlich über 4000 Frauen betroffen. Primar Dr. Rudolf Kaiser, Radiologe an der Klinik Diakonissen Salzburg, erzählt im Interview, warum Frauen ab 40 der Brustgesundheit besondere Aufmerksamkeit schenken sollten.

Herr Primar Kaiser, ab welchem Alter sollte eine Frau an das Thema Brustkrebsvorsorge denken?
Mit dem österreichweiten Brustkrebs-Früherkennungsprogramm werden alle Frauen zwischen 45 und 69 alle zwei Jahre mit einem persönlich adressierten Schreiben zur Mammografie eingeladen. Frauen zwischen 40 und 44 sowie zwischen 70 und 74 können sich über die kostenlose Serviceline 0800 500 181 ebenfalls einladen lassen. Das ist also der Alterszeitraum, in welchem man die Vorsorgeuntersuchung regelmäßig, d.h. alle zwei Jahre absolvieren sollte. Jede Frau kann dabei selbst entscheiden, an welches Zentrum sie sich wenden möchte. Und falls die Brust verdächtige Symptome aufweist, sollte man ohnehin sofort einen Arzt aufsuchen.

Welche Warnsignale müssen umgehend abgeklärt werden?
Grundsätzlich sollte jede Frau ihre Brust gut kennen und eine regelmäßige Selbstabtastung idealerweise am 5. bis 10. Tag nach Beginn der Regelblutung bzw. bei Frauen nach dem Wechsel einmal pro Monat durchführen. Warnsignale sind tastbare Knoten in der Brust oder in den Achselhöhlen, Einziehungen der Brustwarze, eine orangenhautartige lokale Hautbeschaffenheit, einseitige Aussonderungen von blutigem oder wässrigem Sekret, Rötung der Brust, oder ähnlichem. Bei derartigen Symptomen sollte sich die Frau unmittelbar an ihren Gynäkologen oder Hausarzt wenden, der Sie zur Mammografie überweisen wird.

Was genau passiert bei der Mammografie?
Die Mammografie ist die Methode der Wahl zur Brustkrebsfrüherkennung und -vorsorge, da auch kleinste, nicht tastbare Knoten, Tumore und Verkalkungen die auf Bösartigkeit hinweisen, festgestellt werden können. Die Brust wird dabei mit einem speziellen Röntgengerät mit leichtem Druck zusammengepresst. Dadurch wird die Strahlenbelastung reduziert und die Bildqualität verbessert. Die Untersuchung ist schnell wieder vorbei und die meisten Frauen beschreiben das Druckgefühl zwar als unangenehm, nicht aber als schmerzhaft. In unserer Klinik werden zusätzlich zur Mammografie immer auch eine Tastuntersuchung sowie ein Brustultraschall durchgeführt, um die Diagnosesicherheit weiter zu erhöhen. Im Vorsorgeprogramm werden die Bilder zusätzlich von einem/einer zweiten Radiologen/in nach dem „vier-Augen-Prinzip“ genauestens überprüft.

Muss man sich wegen der Strahlenbelastung Sorgen machen?
Nein, unser digitales Mammografie-Gerät belastet den Körper durch die sehr geringe Strahlendosis kaum mehr. Man kann die Strahlenbelastung in etwa mit einem Atlantikflug vergleichen.

Sie verfügen über 20 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der Brustkrebsvorsorge. Gehen Frauen lieber zu männlichen oder zu weiblichen Untersuchern?
Es gibt viele Frauen, die keine Präferenzen haben. Da wir in der Klinik Diakonissen Salzburg aber sowohl eine Fachärztin als auch einen Facharzt haben, kann sich die Frau aussuchen, von wem sie lieber untersucht werden möchte. Wir sind da ganz offen und ich bin nicht beleidigt, wenn jemand zu meiner Kollegin Dr. Alexandra Fritzenwallner möchte (lacht). Entscheidend ist, dass sich die Frau wohl und verstanden fühlt und ihre Fragen und Ängste in einem vertrauensvollen Umfeld besprechen kann. Es ist uns ein großes Anliegen, achtsam mit unseren Patientinnen umzugehen und sie nicht nur medizinisch-technisch, sondern vor allem auch menschlich optimal zu betreuen.

Die Radiologie an der Klinik Diakonissen Salzburg ist eine zertifizierte Einrichtung für Früherkennung von Brustkrebs. Welche Qualitätsauflagen müssen Sie erfüllen?
Wichtig ist, dass man viele Mammografien durchführt, also eine entsprechend hohe Erfahrung hat. Vorgeschrieben sind 2.000 pro Jahr – unsere Abteilung macht jährlich fast doppelt so viele Untersuchungen. Darüber hinaus gibt es strenge Auflagen für die technische Ausrüstung: Nur strahlungsarme, digitale Geräte kommen zum Einsatz. Natürlich müssen auch die Radiologen spezielle Schulungen absolvieren und das Zertifikat der Österreichischen Ärztekammer für Mammadiagnostik vorweisen. Nicht zu vergessen die Bilder anfertigenden Radiologietechnologinnen (RT), die ebenfalls ein entsprechendes Ausbildungs- und Fortbildungsprogramm absolvieren müssen.

Was raten Sie den Salzburgerinnen in Sachen Brustgesundheit?
Regelmäßige Bewegung, vernünftige Ernährung und eine gesunde Portion Egoismus und Selbstliebe! Schenken Sie Ihrer Brust Aufmerksamkeit, beobachten Sie sie fürsorglich – nicht angstvoll. Legen Sie Ihre Mammografie-Einladung nicht in eine Schublade, sondern vereinbaren Sie gleich einen Termin. Und werden Sie zur Botschafterin in Ihrem Verwandten- und Bekanntenkreis. Wir sind in Österreich sehr privilegiert, diese Vorsorgeuntersuchung kostenlos in Anspruch zu nehmen. Nutzen Sie sie – dem Leben zuliebe!

Hier erhalten Sie mehr Informationen zur Radiologie bzw. Mammografie in der Klinik Diakonissen Salzburg.