Inhaltsbereich:

Archiv 2014

 
03.07.2014

'Sterben, Tod, Erlösung': Besucherrekord bei den 20. Diakonie-Dialogen

TeilnehmerInnen der Diakonie-Dialoge 2014

In einer Gesellschaft, in der Leistung und Jugend besonders hoch gehalten werden, rückt die Auseinandersetzung mit dem Lebensende in den Hintergrund. Und dennoch ist der Tod stets präsent, denn „gestorben wird immer“, wie es die Macher der amerikanischen Fernsehserie „Six feet under“ kurz und prägnant formulierten. Neben den Bestattern sind es aber vor allem PflegemitarbeiterInnen, die beruflich sehr viel mit dem Sterben, Tod und der Frage nach der Erlösung zu tun haben. Für sie ist es deshalb besonders wichtig, Menschen am Ende des Lebens und ihre Angehörigen professionell zu begleiten.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, setzten sich die 20. Diakonie-Dialoge mit unterschiedlichen Aspekten des Sterbens, des Todes und der Trauer auseinander. Gleich im ersten Vortrag warf Prof. Dr. H. Christof Müller-Busch provokante Fragen wie „Sind alte Menschen für das Sozialsystem zu teuer oder wäre eine aktive Sterbehilfe wirtschaftlich günstiger“ in den Raum. Die Auseinandersetzung mit dem Wunsch nach selbstbestimmtem Sterben im Spannungsfeld zwischen Medizin, sozialem Umfeld und Ethik bildete den Mittelpunkt seines Referates.

Konkrete Herausforderungen im Betreuungsalltag thematisierte DGKS Angelika Feichtner in ihrem Vortrag. Sie plädierte vor allem für eine kreative Pflege sterbender Menschen. Diese lasse nicht nur  eine besonders gute, bedürfnisorientierte Versorgung zu, sondern führe auch bei den MitarbeiterInnen zu einer höheren Arbeitszufriedenheit.

Im dritten Beitrag von Kirchenrat i.R. Waldemar Pisarski wurden die spirituellen Bedürfnisse sterbender Menschen besprochen. Ob religiös oder nicht – Sterbende haben ähnliche Bitten, etwa nicht allein sein zu müssen oder eine sanfte Berührung zu spüren,  wenn die verbale Kommunikation schon zu schwer fällt. Helfen können dabei auch persönliche „Schatztruhen“ mit Texten, Liedern oder Bildern, die in schwierigen Zeiten Trost und Halt geben.

Um die würdevolle Begleitung bis zur letzten Ruhestätte ging es in Walter Müllers Beitrag. Der Salzburger Trauerredner erzählte von den vielfältigen Verabschiedungen, die zwar oft für Außenstehende merkwürdig sind, aber zu den Verstorbenen passen. Dabei spannte er den „Trauerkulturbogen“ von den klassischen Blasmusikklängen am Grab bis zu den neuen elektronischen Kondolenzbüchern auf Facebook und anderen Plattformen.

Die unterschiedlichen Aspekte von „Sterben, Tod, Erlösung“ wurden in den Workshops am Nachmittag noch in kleineren Gruppen vertieft diskutiert. Neben den vier Hauptrednern stand auch Claudia Jung, Inhaberin des Salzburger Bestattungsunternehmens, mit ihren Erfahrungen in der Trauerbegleitung zur Verfügung.

Wie stark der Bedarf ist, Sterbende und ihre Angehörigen umsichtig und professionell zu betreuen, zeigten neben der hohen Teilnehmerzahl die vielen positiven Rückmeldungen zur Fortbildung. Dies macht deutlich, wie wichtig es ist, auch oft scheinbar alltägliche Themen regelmäßig von unterschiedlichen Seiten zu betrachten.


TeilnehmerInnen der Diakonie-Dialoge 2014