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Archiv 2013

 
14.09.2013

Hausgemeinschaften – mehr Lebensqualität bei Demenz

Bewohnerin und Mitarbeiterin einer Hausgemeinschaft beim Knödel-Kochen

Die Hausgemeinschaften, als Wohnmodell für pflegebedürftige Menschen im Alter, setzen sich in Österreich immer mehr durch. Das Diakoniewerk gilt als maßgeblicher Wegbereiter auf diesem Gebiet. Es verwirklicht nun mit dem neuen Haus für Senioren Bad Zell das siebente Hausgemeinschaften-Konzept innerhalb der Einrichtungen des Diakoniewerks.

In jeder dieser Wohnformen leben zwölf ältere Menschen, denen jeweils ein eigenes Zimmer mit Vorraum, Bad und WC zur Verfügung steht. Dazu kommen großzügige Gemeinschaftsflächen wie Wohnküche und Wohndiele, die alle Bewohnerinnen und Bewohner gemeinsam nützen. Hier entfaltet sich das familiäre Leben in der Hausgemeinschaft, hier wird auch für die Bewohner gekocht – auf Wunsch mit Beteiligung.

Geringere Medikamentengabe und mehr Alltagszufriedenheit

Die Stärke des Konzeptes liegt jedoch nicht nur in der Organisationsstruktur und im Abgehen vom traditionellen institutionell geprägten Ansatz, sondern vor allem auch im Umgang mit Demenz. Mehr als die Hälfte der Bewohnerinnen und der Bewohner der Einrichtungen im Bereich der Seniorenarbeit des Diakoniewerks haben Demenz (derzeit leben ca. 160.000 Menschen in Österreich  mit dieser Krankheit – Tendenz ist steigend). Dieser Umstand macht es notwendig, speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz einzugehen.

"Die überschaubaren Strukturen, die vertrauten Abläufe und die Gerüche geben Sicherheit und Geborgenheit. Dadurch erleben diese Menschen eine höhere Lebensqualität und Alltagszufriedenheit. Geringere Medikamentengaben und teilweise weniger freiheitsbeschränkende Maßnahmen sind die Folge", so Dr. Daniela Palk, Leiterin Kompetenzmanagement Seniorenarbeit im Diakoniewerk. „Zudem haben die Bewohnerinnen und Bewohner die Möglichkeit leicht Anschluss zu finden und soziale Kontakte zu leben", meint Palk.

Geborgenheit und ein hohes Maß an Selbstbestimmung

Gerade Menschen mit Demenz brauchen eine elementare und die Sinne ansprechende Umgebung, die zudem überschaubar ist, die eine Bindung zu Dingen ermöglicht, die Identität fördert, indem sie das Wahrnehmen und Fühlen unterstützt. Die Möblierung (eigene Möbel in den Zimmern) und die Art und Weise der Gestaltung der Allgemeinräume orientiert sich an den alltäglichen Lebenszusammenhängen der Bewohnerinnen und Bewohner. Durch diese sogenannte „Milieugestaltung“ wird ein hohes Maß an Selbstbestimmung erreicht.

Die Anordnung der Küche als zentrales Element in der Hausgemeinschaft sorgt für Überschaubarkeit und strahlt Sicherheit und Geborgenheit aus. Durch die Anwesenheit einer sogenannten Alltagsmanagerin wird eine zusätzliche Kontaktperson für die Bewohnerinnen und Bewohner geschaffen. Dadurch bekommen sie die nötige Aufmerksamkeit und Ansprache. Das gemeinsame Bewältigen des Alltags (Kochen, Waschen, Aufräumen etc) ist vor allem für Menschen mit Demenz eine große Orientierungshilfe und schafft Vertrautheit.

An alte Kompetenzen anknüpfen

"Meine Mutter leidet schon seit Jahren an starker Demenz. Bevor sie in die Hausgemeinschaft im Haus Abendfrieden in Gallneukirchen gekommen ist, ist sie zuhause immer teilnahmslos im Wohnzimmer gesessen und hat gewartet. Seit sie hier ist, hält sie sich tagsüber nie in ihrem Zimmer auf – sie beobachtet am liebsten das Geschehen vom Sofa im Gemeinschaftsraum aus. Hier hat sie auch die nötige Ansprache und Gesellschaft. Sie kann auch durch die vertrauten Abläufe wieder Alltagsverrichtungen eigenständig erledigen und somit an ihre alten Kompetenzen anknüpfen", so Sabine M., Tochter einer Bewohnerin mit Demenz.

Hausgemeinschaften des Diakoniewerks finden Sie in der Steiermark, in Oberösterreich und Wien.

Weitere Informationen finden Sie unter www.diakoniewerk.at/hausgemeinschaften


Bewohnerin und Mitarbeiterin einer Hausgemeinschaft beim Knödel-Kochen BewohnerInnen einer Hausgemeinschaft in der zentralen Wohnküche Bewohnerin und Mitarbeiter beim Kartenspielen in der Wohndiele der Hausgemeinschaft