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Archiv 2013

 
01.10.2013

Kommunikation ist mehr als Sprechen!

Zwei Frauen kommunizieren mit Symboltafel

Die Teilhabe an der Gesellschaft und ein selbstbestimmtes Leben sind ohne Kommunikation nicht möglich. Eine kognitive und/oder körperliche Behinderung kann zu einer Beeinträchtigung der kommunikativen Fähigkeiten führen. Durch den Einsatz von Unterstützter Kommunikation kann eine Verbesserung der Verständigung erreicht werden.

Unterstützte Kommunikation geht davon aus, dass jeder Mensch ein Bedürfnis nach Kontakt und Kommunikation hat. Ausgehend von den Fähigkeiten einer Person werden individuelle Maßnahmen für eine bessere Verständigung entwickelt, die in weiterer Folge mehr Mitbestimmung im Alltag ermöglichen. Mit Unterstützter Kommunikation sind alle Kommunikationsformen gemeint, die unzureichende oder fehlende Lautsprache ergänzen oder ersetzen. Diese umfassen körpereigene Formen wie Gestik, Mimik und Gebärden, nichtelektronische Hilfsmittel wie Kommunikationstafeln und Bildkarten sowie elektronische Hilfsmittel, insbesondere Sprachausgabegeräte, aber auch Hilfsmittel zur Steuerung des Umfeldes.

Unterstützte Kommunikation als Voraussetzung für Teilhabe

Unterstützte Kommunikation hilft jenen Personen, die sich mit ihren eigenen Kommunikationsformen nicht ausreichend verständigen können. Die Unterstützte Kommunikation wird hier als eine Art Ersatzsprache eingesetzt. Darüber hinaus unterstützt der Einsatz von Unterstützter Kommunikation beim Spracherwerb, manche Menschen profitieren davon auch als Strukturierungs- und Orientierungshilfe.

Das Ziel der Unterstützten Kommunikation sieht Dr. Gaby Ruis, Psychologin im Diakoniewerk Oberösterreich und UK-Expertin, darin, „die Auswirkungen schwer verständlicher oder fehlender Lautsprache zu mildern, kommunikative Fähigkeiten zu erweitern und mehr Teilhabe am täglichen Leben zu ermöglichen.“

Individuelle Anpassung

Gaby Ruis betont auch, dass „Unterstützte Kommunikation die individuelle Art der Kommunikation nicht ersetzt. Es wird niemandem etwas weggenommen, sondern vorhandene Kommunikationsfähigkeiten werden ergänzt und unterstützt. Durch die Verwendung von Gebärden, Objekten, grafischen Symbolen oder technischen Hilfen kann die Kommunikation im Alltag intensiviert und verbessert werden.“ Die Form der Unterstützten Kommunikation ist sehr individuell und wird sowohl an die Fähigkeiten und Interessen der Person als auch an die Umgebung angepasst. Dabei gilt es zum einen kognitive Fähigkeiten zu beachten, die beispielsweise Auswirkungen auf die Komplexität der Kommunikationsform haben, zum anderen spielen auch motorische Fähigkeiten, also zum Beispiel die Frage, kann die Person motorisch Gebärden ausführen oder kann sie auf Symbole zeigen, eine entscheidende Rolle. Schließlich sind auch die sensorischen Fähigkeiten, zum Beispiel, wie gut die Person sieht oder hört, ein wichtiges Auswahlkriterium. Manchmal sind sehr rasch erste Erfolge sichtbar, manchmal braucht es aber auch Geduld und Ausdauer aller Beteiligten, bis die richtige Form der Unterstützten Kommunikation gefunden wird.

Bei der Auswahl der passenden Kommunikationshilfe ist es förderlich sich am sogenannten Kommunikationskreis zu orientieren, der die Fragen nach Inhalt (Was?), Funktion (Wozu?) und Form (Wie?) der Kommunikation stellt. Eine Kommunikationshilfe soll einerseits ermöglichen, unterschiedliche Inhalte zu vermitteln. Andererseits soll sie auch verschiedene Kommunikationsfunktionen ermöglichen, beispielsweise ein Gespräch beginnen oder beenden, eine Frage stellen oder etwas fordern. In der Praxis zeigt sich, so Ruis, dass „eine Mischung aus verschiedenen Kommunikationsformen“ sinnvoll ist. Diese müssen sich in erster Linie an den Fähigkeiten der Person orientieren. Für einen langfristigen Erfolg ist es auch hilfreich, auf die Ressourcen des Umfeldes zu achten und diese mit einzubeziehen.

Die Vielfalt der Unterstützen Kommunikation macht das diesjährige Martinstift-Symposion zum Thema. Am 11. Oktober 2013 werden im Brucknerhaus in Linz internationale ExpertInnen und NutzerInnen der Unterstützten Kommunikation ihr Wissen und ihre Erfahrungen weitergeben. Die TeilnehmerInnen werden unter anderem erleben, wie sich Vortragende mit Hilfe der Unterstützten Kommunikation mitteilen können.

Details dazu finden Sie unter www.diakoniewerk.at/symposion

Autor: Mag. (FH) Stefan Marchewa


Zwei Frauen kommunizieren mit Symboltafel